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Was ist die Kastenmangel

1855 wurde  Ratsherr Wilhelm  Bretthauer, Steinhude,  Nr. 27, gemeinsam mit  seinem Gesellen Karl Reinhardt aus Hagenburg auf dem Grundstück Nr. 27 in Steinhude, Graf-Wilhelm-Straße 10, in einem eigens erstellten Gebäude die größte Kastenmangel in Schaumburg-Lippe errichtet.

1855 wurde  Ratsherr Wilhelm  Bretthauer, Steinhude,  Nr. 27, gemeinsam mit  seinem Gesellen Karl Reinhardt aus Hagenburg auf dem Grundstück Nr. 27 in Steinhude, Graf-Wilhelm-Straße 10, in einem eigens erstellten Gebäude die größte Kastenmangel in Schaumburg-Lippe errichtet. Bis dahin gingen die Leinenfabrikate direkt vom Webstuhl oder von der Bleiche nach Bremen oder Hamburg, wo sie weiterverarbeitet wurden. Das Gebäude ist mit allen Einrichtungen noch weitgehend im ursprünglichen Zustand vorhanden und wird zur Zeit restauriert.

Kernstück ist ein beweglicher Mangelkasten, in dem sich ca. 12 Tonnen Findlinge befinden. Er ist ca. 12 m lang, 2m breit und 2 m hoch. Dieser Kasten wurde mehrfach über das auf Rollen gewickelte Leinen bewegt. Der Antrieb dieses Kastens war ein Rundlaufgöpel, der anfangs von einem Ochsen, später von einem Pferd gezogen wurde. 1930 erfolgte der Einbau von Elektromotoren.

 

Mangelfritz beim mangeln

Dieses Bild zeigt "Mangelfritz", einen Angestellten 1930 beim Einschieben des aufgewickelten Leinens unter den Mangelkasten

Das Leinen wurde von den Webereien direkt aus den Bleichen zunächst mit Handwagen, nach dem Krieg auch mit PKW's herangeschafft. Es musste zunächst eingesprengt werden, damit die knochentrockene Ware gleichmässig durchfeuchtet war. Dieses geschah bis zu Beginn der 60-ger Jahre auch bei Bahnen, die bis zu 100m Länge hatten, mittels einer Einsprengdose. Später wurde eine Einsprengmaschine angeschafft . Das Leinen lief durch die Maschine durch, wurde mittels einer in Wasser liegender, sich drehender Bürste befeuchtet und fiel am Ende auf einen Wagen, der immer hin und her geschoben wurde, damit es sich gleichmäßig legte. Zur Arbeitsersparnis wurden mehrere Bahnen Leinen für den Durchlauf in der Einsprengmaschine mit Nadeln zusammengesteckt.

Am nächsten Tag legte man die Ware vor den Wickelstuhl (früher auch Aufwindestuhl oder Wickeltisch). Dann wurde sie  durch die Konstruktion gezogen und dann auf einer Rolle aufgewickelt. Bis 1930 wurde die Rolle mit dieser Kurbel gedreht, ab 1930 erfolgte der Antrieb elektrisch. Der Motor wurde mit diesem Schalter eingeschaltet. Dann mußte das Pedal getreten werden, damit die Rolle lief, da es sonst passieren kann, dass es schief läuft und man nicht rechtzeitig stoppt. Wenn Tischtücher oder Bettlaken gemangelt wurden, mußte man das Aufwickeln bis kurz vor dem Ende des ersten Tischtuches und dann den Anfang vom zweiten unter das Ende legen.

Das aufwickelte Leinen kam unter den mit Steinen gefüllten Kasten. Der Kasten wiegt 12 Tonnen und wurde am Anfang vom einem Ochsen, später von einem Pferd, gezogen, die einen Rundlaufgöpel, der sich an dieser Stelle befand, bewegten. 1930, zum 75-jährigen Bestehen der Mangel, wurde auch die Mangel motorisiert. Früher mußten das Pferd und der Ochse immer die Richtung wechseln, dann wurde diese Riemenkupplung eingebaut für den Richtungswechsel. Der Kasten wurde ca. 20 Mal über dem Leinen hin und herbewegt. Einmal im Jahr mußte der Ochse erneuert werden und der alte wurde dann bei einem Fest geschlachtet. Der sogenannte Mangelfritz, ein Geselle, der von 1857 bis nach 1930 in der Mangel tätig war, war in Steinhude bekannt. Das Pferd Max, das seine Kreise lief, starb kurz nach dem Mangelfritz, aus Sehnsucht nach seinem alten Herrn und dem Göpel und Altersschwäche. Nach den ersten 20 Mal wurde das Leinen auf dem Wickelstuhl umgewickelt und nochmals 20Mal unter dem Kasten bewegt.  Danach wurde es am Wickelstuhl abgewickelt. Die langen Bahnen wurden hier nur soweit bearbeitet. Tisch - und Betttücher wurden hier noch weiter bearbeitet.

Am  Legetisch wurden sie zusammengelegt und unter den Pressen kartongerecht gepresst.

Die Kastenmangel wurde zur Blütezeit der Webereien in Steinhude als Hauptbroterwerb betrieben. Selbstverständlich mangelte man auch die Tischwäsche aus Privathaushalten und Hotels. Prominentester Kunde war das Schaumburg-Lippische Fürstenhaus. Zwischen 1963 und 1983 wurde der Betrieb im Nebenerwerb von Alfred und Irmgard Baumgärtner weitergeführt.

In dem Gebäude der Kastenmangel befinden sich heute noch:

  • Kastenmangel (12m x 2m x 2,5 m)
  • Wickelstuhl
  • Legetisch
  • Handtuchpresse mit Brettern
  • Paketpresse
  • Einsprengmaschine

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